Warum Tequila mit Salz und Zitrone getrunken wird

Tequila gehört wohl zu den am meisten missverstandenen Spirituosen dieser Welt, obwohl es gleichzeitig eine der beliebtesten ist. Man kennt Tequila eigentlich außerhalb eines Cocktails nur in Kombination mit einer Zitrone in der Hand und Salz auf der Hand.

Die Sache ist, wenn Ihnen Tequila mit Salz und Zitrone serviert wird, ist es wahrscheinlich nicht Tequila – zumindest nicht völlig. Reiner Tequila, der hauptsächlich in Jalisco, Mexiko, aus der blauen Weber-Agavenpflanze produziert wird, hat ein Geschmacksprofil, das von hell und grün bis zu erdig und fruchtig reicht. Diese Tequilas bieten eine reiche Komplexität, die Sie nicht in der Schiene “Tequila” finden, die mit Salz und Zitrone serviert wird.

Wenn man an einen Ort geht und dort Zitronen mit dem Tequila serviert werden, kann man davon ausgehen, dass es sich dabei nicht um 100%igen Tequila handelt. Es ist vermutlich eher eine Mischung aus Agaven und anderen Zusätzen wie Zucker und Fruktose. Also kein großartiges Produkt – es ist ein billiges Produkt. Der Ersatzstoff führt dazu, dass der Tequila im Abgang deutlich mehr brennt, weniger Eigengeschmack besitzt und dieser vor allem viel mehr überdeckt wird.

Wie bei anderen Trinkritualen geht man auch bei Tequila davon aus, dass Salz und Zitronen eine Tradition ist, welche aus den frühen Tagen der Destillation stammt und für qualitativ minderwertigen Tequila steht.

Man findet Salz und Zitrone heutzutage in Mexiko nirgends mehr vor, was wohl daran liegt, dass die Leute in Mexiko den Unterschied genau kennen und es eine große Vielfalt an hochwertigen Tequilas gibt. Wohingegen in alten mexikanischen Filmen sehr wohl noch Salz und Zitronen zu sehen sind. In Europa sind wir davon leider noch etwas weiter davon entfernt, so gibt es meist nur eine sehr begrenzte Auswahl an Tequila, welcher noch dazu meist kein 100%iges Erzeugnis aus der Agave ist.

Am Anfang war Tequila wie die meisten Spirituosen total widerlich, ausgefallen, eben ein Feuerwasser. Auf der anderen Seite war alles, was mit einer Zitrone, oder Salz serviert wurde, irgendwie geschmacklich so strukturiert, dass man den Geschmack verbergen wollte. Die Idee war also ehrlich gesagt, nur den Geschmack eines Produkts zu verbergen, da es wirklich erschreckend war.

Mexikaner trinken heute in Mexiko ihren Tequila, weil sie stolz darauf sind. Es ist eine Spirituose zum Genießen. Viele Leute trinken ihn aus Brandy-Gläsern trinken, um das volle Geschmacksprofil und die Aromen zu erhalten. In Leyenda beispielsweise werden Tequila, Mezcal und andere Agavenspirituosen in Portweingläsern serviert, die eine kugelähnliche Form haben, damit man ein wenig Aroma bekommt.

Im Endeffekt ist es aber trotzdem eine Genussfrage, wenn Leute in eine Bar kommen und feiern wollen, wird ihnen wohl kaum jemand ihre Bestellung Shots mit Salz und Zitrone verweigern, vielmehr muss ein Imagewechsel von Tequila stattfinden.

Trotzdem bleibt zu hoffen, dass sich mehr Leute für eine bessere Tequila-Erfahrung öffnen. Viele Leute, die nach Limetten fragen, wissen normalerweise nicht, was da draußen ist oder wie weit die Agavenspirituosen gekommen sind und dass sie gepflegt und genüsslich genossen werden sollen und nicht als Shots getrunken werden.

 

Wie auch immer, gib reinem Tequila eine Chance!

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